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Vermögen in der Stiftung – zwischen Anspruch und Realität
Der Stiftungsmonitor untersucht jährlich Themenge-biete, die für österreichische Stiftungen von besonderer Relevanz sind. Auch in der Umfrage 2025 lag einer der Schwerpunkte auf der Vermögensverwaltung. Insgesamt haben über 300 Personen aus dem Umfeld von Stiftungen an der Umfrage teilgenommen. Die zentrale Frage der diesjährigen Umfrage lautete: Welche Renditeerwartung haben Stiftungen an ihre Vermögensverwaltung und steht diese in Einklang mit der Erwartung auf Basis ihrer definierten Strategie?
Das Selbstbild: Transparent, professionell, renditeorientiert
Der Stiftungsmonitor 2025 hat für den Bereich der Anlageorganisation und Vermögensverwaltung folgende wesentliche Aussagen geliefert:
- Die Professionalität der Anlageorganisation wird mit 2.5 (1-sehr gut / 5-nicht genügend) bewertet.
- Die Transparenz interner Entscheidungen mit der hohen Note 1.3.
- 32 % der Stiftungen investieren dynamisch (30 % Anleihen / 70 % Aktien).
- 39 % veranlagen konservativ (70 % Anleihe / 30 % Aktien), 29 % ausgewogen (50 % Anlei-hen / 50 % Aktien).
- Die Hälfte erwartet langfristig eine Rendite nach Kosten und Steuern von real über 4 % (nach Inflation).
Insbesondere die Zielrendite von real über 4 % verdeutlicht, dass viele Stiftungen nicht nur Kapitalerhalt, sondern reale Vermögensmehrung anstreben. Dieser Anspruch ist nachvollziehbar – denn nur reale Erträge können dauerhaft die Erfüllung des Stiftungszwecks sichern. Doch genau hier zeigt sich eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität.

Die Realität: Struktur und Ergebnis passen nicht zusammen
Viele Vermögen sind offensichtlich defensiver investiert, als es die Renditeziele erwarten lassen würden. Wer langfristig nach Inflation mehr als 4 % p. a. erzielen will, benötigt – bei einem langfristigen Inflationsziel im Euro-Raum von 2 % p.a. und nach Kosten der Vermögensverwaltung eine Rendite von zumindest 7 % p. a.
Eine solche Zielgrösse war historisch betrachtet nur mit Aktien erreichbar (MSCI World 01.01.2010 bis 31.12.2025: 7.1 % p. a. in EUR). Konservative Portfolios mit überwiegend festverzinslichen Wertpapieren aber auch ausgewogene Portfolios lassen dieses Ren-diteziel nicht realistisch zu.
Wenn 50 % der Stiftungen reale Renditen über 4 % erwarten, diese aber überwiegend konservativ oder ausgewogen investiert sind, stellt sich die Frage, wie professionell die Anlageorganisation tatsächlich ist.

Reporting zur Überwachung der Zielerreichung oder aussagelose Zahlensammlung?
Eine fortlaufende Überwachung der Zielerreichung liefert nur dann akkurate Resultate, wenn Anlageziele definiert wurden, die realistisch sind und mit dem Risikoprofil in Einklang stehen. Das Reporting sollte die Vermögensentwicklung übersichtlich abbilden, eine objektive Bewertung der Anlageresultate ermöglichen, etwaige Abweichungen vom Anlegeziel erklären und die Ergebnisse der Überwachung der Risiken und Kosten dokumentieren.
Der Kernkonflikt: Selbstbild versus Realität
Die positive Selbsteinschätzung der Stiftungen bei den Faktoren Transparenz und Professionalität wirft vor dem Hintergrund der Umfrageergebnisse die Frage auf: Stimmt die Wahrnehmung mit der Realität überein?
Was ist zu tun?
- Realistische Definition des Anlageziels: Kapitalerhalt oder reale Vermögensmehrung? Welche Vorgaben hat die Stiftung? Welche finanziellen Ziele sind für die Erfüllung des Stiftungszwecks erforderlich?
- Anlagestrategie überprüfen: Ist die strategische Asset Allocation geeignet, das Renditeziel realistisch zu erreichen? Wie hat sich dies in der Vergangenheit dargestellt und wo liegen die Markterwartungen?
- Risikoverständnis schärfen: Höhere reale Erträge erfordern eine höhere Toleranz gegenüber Marktschwankungen. Kurzfristig motivierte Eingriffe in die Strategie aufgrund unerwarteter Resultate in volatilen Marktphasen gilt es zu vermeiden.
- Resultate überwachen: Mit einer fortlaufenden Überwachung der Vermögensentwicklung lassen sich Abweichungen frühzeitig erkennen und geeignete Massnahmen ergreifen.
- Reporting professionalisieren: Das Reporting soll nicht nur die Performance messen, sondern etwaige Abweichungen des Resultats zur Strategie aufzuzeigen und erklären.
Erst wenn Zielsetzung, Risikoprofil und Anlagestrategie aufeinander abgestimmt sind, kann Reporting seine Funktion erfüllen und eine effiziente Vermögenssteuerung ermöglichen. Solange strukturelle Fragen der Vermögensverwaltung nicht ehrlich beantwortet werden, bleibt das Vermögen der Stiftung aber zwischen Anspruch und Realität gefangen.
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